Pressemeldung zur Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 für das Land Brandenburg

Schröter sieht größte Herausforderung in Bekämpfung der Diebstahlskriminalität

Tags
Straftaten
Datum
19.11.2015

Die brandenburgische Polizei hat im vergangenen Jahr 196.033 Straftaten registriert. Das waren 1.195 Delikte oder 0,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 hervor, die Innenminister Karl-Heinz Schröter und der amtierende Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke heute in Potsdam vorstellten. Schröter unterstrich, das Land verzeichne damit auch einen leichten Rückgang bei der Kriminalitätsbelastung im Ländervergleich. Mit 8.004 Straftaten pro 100.000 Einwohner bleibe Brandenburg aber unverändert eines der Flächenländer mit einer vergleichsweise hohen Kriminalitätsbelastung.

Die Aufklärungsquote ging von 54,2 Prozent im Jahr 2013 auf 52,4 Prozent im Jahr 2014 zurück. Insgesamt konnte die Polizei gut 67.300 Tatverdächtige ermitteln. Rund 10.500 davon waren nichtdeutscher Herkunft. Mit 196.033 Delikten blieb die Zahl der Straftaten im vierten Jahr in Folge unter der Marke von 200.000. „Andererseits ist im Grunde genommen seit 2009 kein wirklich nachhaltiger Rückgang der Gesamtkriminalität in Brandenburg mehr festzustellen“, sagte Schröter. „Wir befinden uns stattdessen offenbar auf einem relativ stabilen Kriminalitätssockel. Wir haben es ungeachtet aller jährlichen Schwankungen bei Straftaten und Aufklärungsquoten mit einer anhaltend großen Herausforderung zu tun.“

Weiterer Rückgang der Gewaltkriminalität

Auf ohnehin vergleichsweise niedrigem Niveau ist die Gewaltkriminalität in Brandenburg weiter leicht zurückgegangen. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 4.178 Delikte der Gewaltkriminalität wie zum Beispiel Mord, Totschlag, schwere und gefährliche Körperverletzung oder Vergewaltigung. Das waren 76 Fälle weniger als im Jahr 2013. Die Häufigkeitszahl sank damit von 174 auf 171 Gewaltdelikte pro 100.000 Einwohner. „Das ist einer der niedrigsten Werte aller Bundesländer. Wir liegen hier fast auf dem Niveau von Baden-Württemberg“, betonte Schröter und fügte hinzu: „Bezogen auf Gewaltstraftaten ist Brandenburg glücklicherweise ein relativ sicheres Land“. Der Minister verwies zugleich darauf, dass die Polizei die Aufklärungsquote bei den Gewaltdelikten um einen Prozentpunkt auf 80,4 Prozent steigern konnte.

Schwerpunkt sind weiterhin Eigentumsdelikte

Die Gesamtkriminalität ist weiterhin wesentlich von der Diebstahlskriminalität geprägt. So waren im vergangenen Jahr 43,2 Prozent aller Straftaten Diebstahlsdelikte. Die Zahl der Fälle stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1,4 Prozent auf 84.722. Die Häufigkeitszahl erhöhte sich von 3.410 auf 3.459 Diebstahlsdelikte je 100.000 Einwohner. Die Aufklärungsquote sank von 28,3 auf 26,7 Prozent.

Maßgeblich für die negative Entwicklung bei der Eigentumskriminalität war u.a. der deutliche Anstieg der Zahl der Fahrraddiebstähle im Land um 9,9 Prozent auf 17.721. Entscheidend war zudem der Zuwachs bei Diebstählen aus Kellerräumen (+20,3 Prozent, 7.141 Fälle) und Garagen (+43,4 Prozent, 3.654 Fälle).

Autodiebstähle deutlich zurückgedrängt

Erfreulich war hingegen die Entwicklung bei der Zahl der Autodiebstähle: Waren im Jahr 2013 noch 3.522 Autos entwendet worden, waren es im Jahr 2014 noch 3.028. Das entsprach einem Rückgang um 14,0 Prozent. Zugleich konnte die Polizei bei diesen Delikten die Aufklärungsquote deutlich steigern, und zwar von 21 auf 30 Prozent. „Die offensive polizeiliche Präsenz, regelmäßige Großkontrollen und ein hoher Fahndungsdruck setzen die kriminelle Szene offenbar wirksam unter Druck. Für Autodiebe wird es in Brandenburg zunehmend schwieriger“, sagte Schröter. Die Polizei stelle eine „zunehmende Verunsicherung auf Täterseite“ fest, so der Minister.

Schwieriger stelle sich die Lage dagegen beim Wohnungseinbruch dar. Immerhin ist die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle in Brandenburg entgegen dem Trend in anderen Bundesländern nicht weiter gestiegen. Knapp 4.000 Fälle seien registriert worden und damit etwa so viele wie im Vorjahr. „Diese Straftaten, bei denen die Täter tief in die Privatsphäre der Menschen eingreifen, verunsichern die Bevölkerung besonders“, betonte Schröter. Deshalb habe die Bekämpfung dieser Kriminalität hohe Priorität in der Polizeiarbeit. Bei der technischen Sicherung von Häusern und Wohnungen gebe es noch Reserven, sagte der Minister. So bleibe es bundesweit in 40 Prozent aller Fälle beim versuchten Wohnungseinbruchsdiebstahl, in Brandenburg scheiterten dagegen nur 30 Prozent der Fälle („Versuchsquote“). Schröter sprach in diesem Zusammenhang von einer „Präventionslücke“, die auch mit Hilfe der Polizei geschlossen werden müsse.

Zahl der Rauschgiftdelikte deutlich gestiegen

Auffällig ist nach den Worten von Polizeipräsident Mörke die klare Zunahme bei der Rauschgiftkriminalität. Die Zahl der Delikte erhöhte sich im Jahresvergleich um 38,5 Prozent auf 7.167. Die Steigerung sei aber auch auf einen erhöhten Kontrolldruck der Polizei zurückzuführen, betonte der Präsident und verwies darauf, dass Drogendelikte ein typisches Kontrolldelikt seien. Das zeige sich auch in der sehr hohen Aufklärungsquote von 94 Prozent in diesem Deliktfeld. Unter anderem haben Polizisten im vergangenen Jahr knapp drei Kilogramm Kokain, etwas mehr als drei Kilogramm Crystal, gut 67 Kilogramm Cannabiskraut und mehr als 42 Kilogramm Amphetamine sichergestellt.

Weniger unerlaubte Einreisen

Von Bedeutung für den leichten Rückgang der Gesamtkriminalität im gesamten Land im Jahr 2014 war auch, dass erheblich weniger illegale Einreisen festgestellt wurden. Der deutliche Anstieg im Jahr 2013 stand damals im Zusammenhang mit der Migrationsbewegung russischer Staatsangehöriger, vor allem aus der Kaukasusregion/Tschetschenien. 2.433 Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz bedeuteten einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 40,8 Prozent. Positiv war der Trend zudem bei Betrugsdelikten (-2,9 Prozent, 23.998 Fälle), der Internetkriminalität (-3,6 Prozent, 9.434 Fälle) und der Wirtschaftskriminalität (-13,8 Prozent, 2.303 Fälle).

Kriminalitätsbelastung im Speckgürtel erstmals leicht geringer als im Land

In den brandenburgischen Gemeinden rund um die Bundeshauptstadt ereigneten sich im Jahr 2014 42,2 Prozent aller Straftaten. Dort leben 42,9 Prozent aller Brandenburger. Die absolute Zahl der Straftaten im Berliner Umland sank um 2.558 auf 82.790. Das führte dazu, dass die Kriminalitätsbelastung mit 7.881 Straftaten je 100.000 Einwohner erstmals unter dem landesweiten Durchschnitt von 8.004 lag. Bislang war die Kriminalitätsbelastung im Berliner Umland dagegen stets höher gewesen als im Landesdurchschnitt.

Erheblich gesunken ist in den Gemeinden im engeren Verflechtungsraum unter anderem die Zahl der Autodiebstähle: 2014 wurden im Berliner Umland 1.253 Autos gestohlen, im Jahr 2013 waren noch 1.562 entwendet worden. Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten konnte von knapp 20 auf mehr als 33 Prozent erhöht werden. Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle verringerte sich von 2.482 auf 2.306. Dabei stagnierte die Aufklärungsquote mit knapp 16 Prozent auf dem geringen Niveau des Vorjahres.

Sehen Sie auch:

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Ministerium des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg

Pressemitteilung Nr. 018/15 vom 27.03.2015

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