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Kategorie:
Kriminalpolizei / Kriminaltechnik

Visuelle Fahndungshilfe

Tags
Informationen,
Kriminaltechnik
Datum
25.09.2017

Wie entstehen die Phantombilder? Gelten sie als ein sicheres Fahndungsmittel? Welche Rolle spielten sie in den letzten 25 Jahren seit Gründung des Landeskriminalamtes in Brandenburg? Schauen Sie mit uns hinter die Kulissen dieses faszinierenden Bereiches der kriminaltechnischen Arbeit!

Aus: „Info 110“, 2/2017, 25 Jahre Landeskriminalamt, Große Kriminalfälle und neue Herausforderungen

Autor:

Mirko Roscher
LKA Brandenburg

Durch die Visuelle Fahndungshilfe erfolgt die Erstellung von Phantombildern und anderen Fahndungshilfsmitteln (z. B. Zeichnungen, Skizzen,  Fotomontagen) auf Anforderung  der Sachbearbeiter der Kriminalpolizei und des Kriminaldauerdienstes. Im Schnitt fertigen wir derzeit etwa 400 Phantombilder jährlich für die Dienststellen des Landes. In Rekordjahren waren das aber auch schon einmal über 600 Bilder. Sachfahndungsbilder oder Fotomontagen werden dagegen weitaus weniger angefordert.

Unser kleines Sachgebiet war bereits Bestandteil des Aufbaustabes des LKA Brandenburg und wurde gemeinsam mit diesem 1992 gegründet. Damals bestand es lediglich aus dem späteren langjährigen Sachgebietsleiter. Über Hospitationen in anderen Bundesländern informierte er sich über die Arbeitsweise der dortigen Phantombildersteller. Danach entschied er sich für die Arbeitsweise sowie die Mittel und Methoden der Phantombilderstellung in Brandenburg.

Die damals von ihm getroffenen Entscheidungen haben sich bis auf kleine Änderungen bis heute bewährt. Mitte 1993 bekam er Unterstützung durch einen weiteren Mitarbeiter. Durch die in den nachfolgenden Jahren immer weiter wachsenden Einsatzzahlen wurde das Sachgebiet 1998 nochmals verstärkt. Bis zum heutigen Tag besteht es aus diesen 3 Stellen.

Organisatorisch befand sich das Sachgebiet damals zusammen mit der Beratergruppe, Tatortgruppe, Sondertechnik und Interpol/Rechtshilfe im Dezernat Ermittlungsunterstützung/ Einsatzberatung der Abteilung 3, Auswertung- und Ermittlungsunterstützung des LKA. Erst später, im Rahmen einer Umstrukturierung im Jahre 2002, wurde es Bestandteil des Kriminaltechnischen Instituts. Diese Änderung kam uns fachlich gelegen, da wir nun Synergien mit anderen kriminaltechnischen Bereichen (z.B. Fotostelle) einfacher nutzen konnten.

Die Erstellung des Phantombildes erfolgt mittels eines Laptops  vor Ort bei den Zeugen. Wir verstehen uns, wie das KTI insgesamt, als Servicedienststelle. So hat es sich bewährt, dass wir in den meisten Fällen „Hausbesuche“ beim Geschädigten bzw. Zeugen machen. Das wird besonders von älteren und gebrechlichen Menschen sehr gern angenommen. Durch diese Arbeitsweise fungieren wir oft als Überbringer neuer Nachrichten, Eindrücke oder bei manchen Geschädigten auch als Seelentröster.

Bei Bedarf oder auf Wunsch des Zeugen kann das Phantombild natürlich auch in der zum Zeugenwohnort nächstgelegenen Polizeidienststelle gefertigt werden. Dadurch legen die Mitarbeiter des Sachgebietes in jedem Jahr über 60 000 Kilometer auf den Autobahnen und Landstraßen unseres schönen, aber großen Landes Brandenburg zurück. In einigen wenigen Fällen kommen die Zeugen auch in unsere Diensträume im KTI in Eberswalde.

Während wir in früheren Jahren mit der Software Facette unsere Bilder erstellten, sind wir 2009 auf Photoshop CS 5 umgestiegen. Dieser Schritt wurde möglich, da wir uns im Laufe der Jahre eine umfangreiche Sammlung von Phantombildelementen erarbeitet hatten. Photoshop gab uns die Möglichkeit, bei der Erstellung noch flexibler und detaillierter auf die Wünsche der Zeugen einzugehen.

Die Anforderung seitens der Kripo-Sachbearbeiter erfolgt computergestützt über die polizeiliche Vorgangsbearbeitungssoftware ComVor. Hier werden vorab zum konkreten Fall einige Fragen über die prinzipielle Möglichkeit einer Phantombilderstellung abgefragt. Zum Beispiel, ob die Erinnerung des Zeugen ausreichend für eine Phantombilderstellung ist. Dann sendet uns der Sachbearbeiter die benötigten Informationen und unsere Arbeit kann beginnen.

Nach Erstellung des Phantombildes erhält der Sachbearbeiter dieses mit dazugehörigem Protokoll in Papierform. Zusätzlich wird ihm das erstellte Bild zeitnah als JPG-Datei per E-Mail übersandt. Dieses JPG stellt in den heutigen digitalen Zeiten das eigentliche Phantombild dar und dient der Verwendung des Bildes in den Medien. Die Verwendung und Veröffentlichung des Bildes liegt in der Hand des ermittelnden Kollegen. Wir empfehlen dringend, im Rahmen von Veröffentlichungen dieses JPG zu verwenden. Beim Einscannen oder Kopieren der von uns erstellten Bilder drohen enorme Qualitätsverluste. Wichtige Details des Bildes, wie zum Beispiel kleine Narben oder Pickel, könnten verloren gehen. Da die Ähnlichkeit der Phantombilder durchaus Schwankungen unterliegt, können aber gerade diese Details unmittelbar zu einem Hinweis auf den Täter führen und sind somit ungemein wichtig.

Erfahrungsgemäß führt etwa jedes neunte Phantombild zu einem Treffer. Diese Angabe ist aber sehr unsicher, da längst nicht zu jedem Phantombild eine Rückmeldung erfolgt. Jedes Jahr erhalten wir nur zu etwa einem Drittel der Bilder die gewünschten Rückmeldungen. Unter diesen Rückmeldungen befinden sich etwa ein Drittel Klärungen mittels Bild. Dadurch kommen wir rein rechnerisch auf ein Neuntel Treffer insgesamt.

Im Laufe der 25 Jahre seit Gründung des LKA waren wir auch mehrfach in aufsehenerregende Kriminalfälle eingebunden. In Erinnerung geblieben sind die Einsätze zum Tötungsverbrechen an Ulrike aus Eberswalde, der tragische Entführungsfall des Matthias Hintze aus Geltow und die Verbrechen an zwei Unternehmerfamilien im Bereich Storkow. Da in solchen Fällen auch kleinsten Hinweisen nachgegangen wird, führten diese zu einigen Anforderungen an unser Sachgebiet. Zu jeder dieser Einsatzlagen wurden über einen längeren Zeitraum fünf bis zehn Bilder gefertigt. Im Falle des entflohenen Gewaltverbrechers Frank Schmökel wurden wir beauftragt, seinem Gesicht ein Aussehen zu verleihen, welches mutmaßlich nach drei Wochen Flucht und entsprechendem Bartwuchs eintritt.

Neben unseren Einsätzen halten wir noch Lehrgänge zu Phantombildern an der FHPol und nehmen als Aussteller auf Tagen der offenen Tür verschiedener Behörden teil.

In zweijährigen Abständen treffen sich bundesweit die „Phantome“ bei der Bundesfachtagung derPhantombildersteller. Derartige Veranstaltungen sind immer sehr fruchtbar, da sie in unserem Metier die einzige Möglichkeit darstellen, um einmal über den eigenen Tellerrand zu schauen. Hier erfolgt der bundesweite Austausch zu neuen Methoden und wissenschaftlichen Erkenntnissen in unserem doch sehr speziellen Bereich.

Wenn dann noch Zeit ist, „pflegen“ wir unser System, um „up to date“ zu bleiben. Dazu werden neue Phantombildelemente, deren Fehlen im Bestand sich auf unseren Einsätzen „schmerzlich“ herausgestellt hat, neu in das System integriert. Wer also seine Frisur oder seinen Bart in unsere Phantombildelemente einpflegen lassen möchte, kann sich bei uns melden.  Also, trauen sich, rufen Sie uns an!

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