Polizeiliche Kriminalstatistik 2022

Polizeidirektion Ost

Überregional

Kategorie
Daten und Fakten
Datum
15.11.2023

Gesamtzahl der Straftaten und Anzahl der Tatverdächtigen gestiegen

Frankfurt (Oder) - Im Jahr 2022 sind in der Polizeidirektion Ost 51.982 Straftaten und damit 4.679 Delikte, bzw. rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr, (47.303) registriert worden. Ein Grund für die deutlich gestiegene Zahl liegt darin begründet, dass sich die Zahl der Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz im Zuständigkeitsbereich der PD Ost von 3.826 Delikten im Jahr 2021 auf nunmehr 7.643 nahezu verdoppelt hat. Derartige Straftaten können aber nur von nichtdeutschen Tatverdächtigen begangen werden, die im Grunde auch ausnahmslos zu identifizieren sind.

Die Aufklärungsquote von 58,7 Prozent liegt etwas über dem Vorjahresniveau (58,1 Prozent).

 

Zahl der Tatverdächtigen, auch nichtdeutscher Herkunft, über Vorjahresniveau

Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen stieg im Vergleich zum Vorjahr um fast 3.500 von 21.147 Tatverdächtigen auf 24.603 an.

22,5 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen (in Zahlen: 5.540) gehörten der Altersgruppe der unter 21-Jährigen an. Schaut man auf die genaue Altersstruktur, hat sich das Bild gegenüber dem letzten Vergleichszeitraum gewandelt. Bildeten da die Heranwachsenden (18 bis unter 21) mit 1.740 noch die größte Gruppierung, sind es nun wieder die Jugendlichen, die mit 2.052 Tatverdächtigen im Jahr 2022 die Spitze bildeten (2021 – 1.634). Gefolgt wird diese Gruppe von den Heranwachsenden mit 1.984 Tatverdächtigen (zuvor 1.740). Bei den tatverdächtigen Kindern (unter 14 Jahre) verzeichnet die Statistik eine ebenfalls erhöhte Anzahl von 1.504 gegenüber 1.077 im Jahr 2021.  

 

Anstieg bei den Diebstahlsdelikten

Mit insgesamt 14.392 Straftaten (2022 noch 13.092) und einem Anteil von knapp 27,7 Prozent bestimmen die Diebstahlsdelikte maßgeblich das Gesamtbild der Kriminalitätslage in der Polizeidirektion Ost. 24,4 Prozent dieser Straftaten konnten geklärt werden. Sowohl die Zahl der Diebstähle unter erschwerenden Umständen (von 6.714 auf nunmehr 7.517) als auch die der einfachen Diebstahlshandlungen (von 6.378 auf 6.875) erhöhte sich.
Beim Blick auf die einzelnen Ergebnisse sehen wir bei den Diebstählen von Kraftwagen eine Abnahme von 541 auf jetzt 537 Fälle.  

Bei Diebstählen an/aus Kfz wurden 1.912 Taten registriert (2021 noch 1.653). Überwiegend sind Firmentransporter angegriffen worden, wobei es die Täter zumeist auf darin gelagertes Werkzeug abgesehen hatten. Den Brennpunkt bildete der enge Verflechtungsraum zu Berlin sowie die Grenzgemeinden.

Diebstähle in/aus Wohnungen (im besonders schweren Fall) wurden 694 mal angezeigt. Das ist ein doch deutlicher Anstieg zum Vorjahr mit 468 Tatgeschehen.

Auch hier bildete der engere Verflechtungsraum rund um Berlin den Brennpunkt. Das Ende der Pandemie mit wieder vermehrter Präsenz am Arbeitsplatz und ein nun uneingeschränkt funktionierender Reiseverkehr ließen die Bewohner nicht mehr überwiegend zu Hause bleiben. Dies nutzten die Täter für ihre Diebeszüge. 

Von der Gesamtzahl blieben 313 Fälle im Versuch stecken (45,1 Prozent). Bungalows und Gartengrundstücke wurden 2022 in insgesamt 581 Fällen zu Zielobjekten von Dieben. Damit hielten sich die Fallzahlen gegenüber dem Vorjahr (573) fast die Waage. Anders verhält es sich beim Deliktsfeld Einbruchsdiebstähle in/aus Firmen und Baustellen. Hier stiegen die Fallzahlen von 769 auf nunmehr 891. Eine Erklärung dafür könnten die innerhalb kürzester Zeit deutlich gestiegenen Preise für Baumaterialien u.a. Produkte der entsprechenden Gewerke sein.  

Auch beim Thema Fahrraddiebstahl verzeichnete die Direktion Ost mit 2.430 Taten einen Anstieg zum Vorjahreswert von 2.015 Delikten. Das entspricht einem prozentualen Anstieg von gut 20 Prozent. Der Anteil hochpreisiger Bikes steigt und mit der deutlichen Wertsteigerung des Diebesgutes auch der Anreiz für die Täter.

 

Betrugsdelikte – Leichter Rückgang, aber keine Entwarnung

Bei den folgenden statistischen Angaben ist zu beachten, dass es sich hier um alle Betrugsarten handelt und nicht nur um die immer wieder in der Öffentlichkeit diskutierten Tathandlungen des sog. Enkeltricks. Dabei versuchten sich die Täter besonders häufig an der Betrugsmasche einer angeblichen Verwandtschaft und finanzieller Notlage, die durch schnelle Hilfe geheilt werden könne. Die Nutzung des Internets und besonders von Messengerdiensten (überwiegend WhatsApp) werden vermehrt registriert. Trotz weitreichender Aufklärung und Präventionsarbeit durch die Polizei bleiben die Tatgelegenheiten vielzählig.

Auch der Waren-/Kreditbetrug, die Computerbetrügereien und der Tankbetrug finden Eingang in diese Statistik.

Im Jahr 2022 wurden 4.227 Betrugsfälle angezeigt (2021 waren es noch 4.462 Taten). Das sind ca. 12 Betrugsdelikte, die tagtäglich im Zuständigkeitsbereich der PD Ost aufliefen.

Natürlich können die Zahlen nur das widerspiegeln, was der Polizei auch tatsächlich bekannt geworden ist. Deshalb: zeigen Sie keine falsche Scham und erstatten Sie Anzeige, wenn Sie Opfer einer solchen Tat wurden!

 

Aufklärungsquote bei Gewaltstraftaten in etwa auf Vorjahresniveau

Positiv zu bewerten sind die hohen Aufklärungsergebnisse bei Gewaltstraftaten. Sind diese doch wie kaum ein anderes Deliktsfeld geeignet, das Sicherheitsempfinden der Bevölkerung zu beeinträchtigen. Hier lag die Direktion Ost im Jahr 2022 bei 82,1 Prozent, was in etwa dem Wert des Vorjahreszeitraums entsprach.   

Unter den Begriff Gewaltstraftaten fallen zum Beispiel Straftaten gegen das Leben. Hier verzeichnete die Polizei im Osten Brandenburgs im Jahr 2022 insgesamt 16 Fälle (zu vorherigen 13). 81,3 Prozent der Geschehnisse konnten aufgeklärt werden (84,6 Prozent im Jahr 2021).

Nach letztjährigem Rückgang im Bereich der Gewaltkriminalität ist 2022 ein Anstieg zu verzeichnen gewesen (von 1.304 auf 1.383). Damit liegt die Direktion aber noch unter dem Ergebnis von 2021, wo es 1.495 Taten waren. Mit dem Ende der Pandemie ist die Durchführung von Veranstaltungen und die größere Ansammlung von Personen fast uneingeschränkt wieder möglich. Fehlten vorher einfach die Gelegenheiten, macht sich die neue Situation nun bei den Zahlen in der Kriminalitätsstatistik durchaus bemerkbar.

Die Zahl der Gewaltstraftaten unter Beteiligung von Zuwanderern sank im Vergleich zu 2021 (damals 175) im jetzigen Berichtszeitraum mit 161 Fällen leicht. Insgesamt 184 Zuwanderer sind im Jahr 2022 als Tatverdächtige ermittelt worden (2021 insgesamt 211).

In 111 Fällen wurden Zuwanderer im Jahr 2022 Opfer von Gewaltstraftaten (2021 waren es noch 151 Fälle).

Messerangriffe waren 2022 in 82 Fällen zu verzeichen gewesen (2021 insgesamt 54). 84 Tatverdächtige standen 2022 einer Vorjahreszahl von 62 gegenüber. Davon waren 27,4 Prozent nichtdeutscher Herkunft (2021: 32,3 Prozent).

Bei häuslicher Gewalt mussten 1.511 Fälle registriert werden. Weiterhin ist der Frauenanteil bei den Opferzahlen exorbitant höher als jener der Männer. 1.078 weiblichen stehen 433 männliche Geschädigte gegenüber. Dabei spielten  Körperverletzungsdelikte die herausragende Rolle (2022 waren es 1.093 Taten und 2021 insgesamt 996). Bei Vergewaltigungen waren es 18 Taten 2022 zu 19 im Jahr 2021.  

 

Weiterhin Gewalt gegen Polizeibeamte  

2022 sind etwas weniger Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte erfasst als im Jahr zuvor. Waren es 2021 noch 436 derartige Taten gewesen, wurden nun insgesamt 397 registriert. Dabei ging es vor allem um Körperverletzungs- und Widerstandsdelikte. Darüber hinaus fielen Delikte wie Nötigung, Bedrohung und Beleidigung an. Bei Letzterem zählte die Polizei 2022 insgesamt 115 Taten, während es im Jahr zuvor noch 121 angezeigte Vorfälle waren. Widerstandshandlungen flossen mit einer Zahl von 152 (200 in 2021) in die Statistik ein. In 77 Fällen (2021 noch 73) kam es zu tätlichen Angriffen (ohne vorherige Interaktion) auf Polizeibeamte. Und 38 (zuvor 44) dieser Angriffe geschahen unter dem Einfluss von Alkohol. Wie schon in den vorherigen Jahren muss weiterhin konstatiert werden, dass die enthemmende Wirkung von Alkohol im Vorfeld der Tatbegehung für die Anwendung von Gewalt gegen Polizeibeamte begünstigte. Bei den Widerstandshandlungen standen beispielsweise in 85 Fällen (2021 waren es 117) die Delinquenten unter Alkoholeinfluss.

Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger stieg leicht und liegt nun bei einem Wert von 16,6 Prozent, nachdem dieser Anteil im Jahr zuvor noch 15,7 Prozent betragen hatte.

 

Anstieg bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Im Berichtszeitraum 2022 sind 818 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung zur Anzeige gebracht worden. Im Jahr davor waren es noch 614 gewesen. Aufgeklärt werden konnten davon 760 Fälle oder 92,9 Prozent (2012: 556 oder 90,6 Prozent).  

Beim sexuellen Missbrauch von Kindern sind insgesamt 133 Fälle (2021 waren es 121) bearbeitet worden. Die Aufklärungsquote lag bei 94,7 Prozent (2021 noch 89,3 Prozent). Die Aufhellung des Dunkelfeldes im Phänomenbereich sexueller Missbrauch von Kindern ist Arbeitsinhalt des neuen Sachbereiches „Besondere Ermittlungen/Cybercrime/Sexualisierte Gewalt gegen Kinder (Becseki)“ der Kriminalpolizei der Direktion Ost. Dieser Sachbereich ist zuständig für die direktionsweite Bearbeitung von herausgehobenen Fällen der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Bereits im Mai 2022 konnten die Kriminalisten einen Mann durch Spezialkräfte der Polizei Schleswig-Holstein festnehmen lassen. Dieser war des schweren sexuellen Missbrauchs eines neunjährigen Mädchens im Barnim verdächtig. Im Nachgang der Festnahme wurde die Ermittlungsarbeit akribisch fortgesetzt. So sind schließlich vier einzelne Tathandlungen gerichtsfest nachgewiesen worden. Das Landgericht Frankfurt (Oder) verurteilte den Mann später zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren. 

Zum Vorwurf der sexuellen Belästigung ermittelten Kriminalisten im Osten Brandenburgs 2022 in 122 Fällen (118 im Jahr zuvor). Die Aufklärungsquote lag bei 86,9 Prozent (2021 insgesamt 88,1 Prozent).

Und im Deliktsfeld Verbreiten, Besitz, Erwerb und Herstellung kinderpornographischer Schriften waren es 270 Fälle (179 im Jahr 2021), wobei 98,5 Prozent der Taten aufgeklärt worden sind (2021 lag die Quote bei 97,2 Prozent). Bei der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2022 für das Land Brandenburg führte Polizeipräsident Oliver Stepien aus, dass fast die Hälfte aller Tatverdächtigen in diesem Phänomenbereich unter 18 Jahre alt sei. Neben den bisherigen polizeilichen Präventionsveranstaltungen an Schulen gilt es künftig daher verstärkt dort zu wirken, wo insbesondere die Kinder und Jugendlichen unterwegs sind – in den sozialen Medien. Mit der Kampagne „Sei kein Teil davon“ möchte die Polizei aufklären, sensibilisieren und dafür Sorge tragen, dass Kinder und Jugendliche geschützt werden und keine Straftaten begehen. Näheres dazu finden Sie auf der Internetpräsens der Polizei Brandenburg unter www.polizei.brandenburg.de

 

Zahl der politisch motivierten Straftaten stieg an  –  aber auch mehr Tatverdächtige sind ermittelt worden

Die Gesamtzahl der politisch motivierten Straftaten stieg im vergangenen Jahr recht deutlich auf nunmehr 1.580 Taten (gegenüber 1.083 im Jahr 2021) an. Von diesen 1.580 Geschehnissen konnten 659 aufgeklärt und dabei 882 Tatverdächtige ermittelt werden. Im Jahr davor waren es noch 533 aufgeklärte Fälle mit 667 Tatverdächtigen gewesen.

Ein hoher Anteil am Straftatenaufkommen findet sich weiterhin im Bereich der

Propagandadelikte. Die Direktion Ost registrierte hier eine Zahl von 478 Taten, wohingegen es im letzten Berichtszeitraum noch 339 Fälle gewesen waren. 

Der qualitative Schwerpunkt findet sich in diesem Berichtszeitraum trotz eines leichten Rückgangs der Fallzahlen wieder bei der rechtsmotivierten Kriminalität. In diesem Phänomenbereich wurden 2022 insgesamt 710 Fälle gezählt. Im Jahr zuvor waren es noch ca. 1/5 weniger Taten gewesen.

Bei der linksmotivierten Kriminalität sank die Fallzahl im Gegensatz zum Berichtszeitraum zuvor und lag nun bei 70 registrierten Delikten (2021: noch 101).

Im Jahr 2022 sind in der Direktion Ost 31 Fälle (2021: zwölf Fälle) bekannt geworden, bei denen Bezüge zur politisch motivierten Ausländerkriminalität erkennbar waren. Aufgeklärt wurden elf dieser Taten (mit insgesamt 14 Tatverdächtigen). Der signifikante Anstieg ist auf Straftaten im Begründungszusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Krieg zurückzuführen. So schmierten bislang Unbekannte am 04.07.2022  in Frankfurt (Oder) auf den Regenabweiser einer Unterkunft für ukrainische Flüchtlinge ein „Z“. Der lateinische Buchstabe gilt als das Symbol für die Unterstützung der russischen Armee und des Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Gestiegen ist auch die Gesamtzahl bei den politisch motivierten Gewaltdelikten. Wurden im Jahr 2021 noch 42 Gewaltstraftaten registriert, waren es im Jahr darauf 58. Hier ein Beispiel:  Am 03.06.2022 erhielt in Strausberg ein syrisches Kind von einer 33 Jahre alten deutschen Staatsbürgerin mehrfach Schläge ins Gesicht und in den Bauch. Anschließend ist der 13-jährige Junge rassistisch beleidigt worden.  

Während die Gewaltstraftaten im linksmotivierten Deliktsfeld von zwei auf nun sieben stiegen, sank im gleichen Zeitraum die Anzahl der Delikte von rechtsgerichteten Tätern von 36 auf nunmehr 25. Der Schwerpunkt liegt also trotz dieser Entwicklung weiterhin bei der rechts motivierten Gewalt. Die Aufklärungsquote bei politisch motivierten Gewaltstraftaten von rechter Seite hatte im Jahr 2022 einen Wert von 76 Prozent erreicht, was nicht an den Wert im Jahr zuvor (damals 97 Prozent) heranreichte. Von den sieben Gewaltdelikten der linken Seite konnten sechs aufgeklärt werden. Ein Alkoholisierter beleidigte beispielsweise am 01.10.2022 in Frankfurt (Oder) einen anderen Mann, welcher zu diesem Zeitpunkt einen Pullover der Partei "AfD" trug. Darüber hinaus trat der 55-Jährige auch noch gegen den Oberschenkel des Geschädigten.

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